×

Das Projekt „Sawāʾ“ stärkt das Bewusstsein für Gleichwertigkeit und Menschenrechte in Moscheegemeinden

Köln/Leverkusen, 30. Januar 2025. Nach einem Jahr intensiver Arbeit schließt das von 180 Grad Wende e. V. initiierte Projekt Sawāʾ mit beeindruckenden Ergebnissen ab. „Sawāʾ“ – ein arabisches Wort, das „gleich sein“ bedeutet – verkörpert eine Botschaft, die in Zeiten zunehmender Polarisierung wichtiger denn je ist: Alle Menschen sind gleich viel wert. Das Ziel, junge Menschen in Moscheegemeinden in Köln und Leverkusen für Diskriminierung und Menschenrechte zu sensibilisieren, wurde nicht nur erreicht, sondern übertroffen.

Mit insgesamt 237 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und 40 regelmäßigen Teilnehmenden – mehr als die geplanten 30 – im Alter von 16 bis 30 Jahren hat das Projekt seine Reichweite erweitert und ein deutliches Zeichen für die Bedeutung diskriminierungsfreier Räume gesetzt. Für Projektreferent Hubeyb Yöntem macht das Projekt deutlich, dass politische Bildung nicht nur aufklärt, sondern auch dazu befähigt, unsere gemeinsame Zukunft gerechter und demokratischer zu gestalten: „Es hat uns beeindruckt zu sehen, wie die Teilnehmenden mit Mut und Überzeugung das Gelernte in ihr Umfeld tragen, um in unserer Gesellschaft für echte, wertebasierte Veränderungen einzustehen.“ Das habe in einer Zeit, in der Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit immer sichtbarer und auch gesellschaftlich salonfähiger werden, einen großen Stellenwert, sagt der Islam- und Politikwissenschaftler.

Workshops in vertrauter Atmosphäre
Die Workshops fanden in drei ausgewählten Moscheegemeinden statt, die bewusst als vertraute Orte gewählt wurden, um den Teilnehmenden einen geschützten Rahmen zu bieten. Über sieben Workshops hinweg widmeten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen gemeinsam mit Referenten der 180 Grad Wende Themen wie Antimuslimischem Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Anti-Schwarzem Rassismus. Besonders die Methoden wie Storytelling und Mapping-Projekte halfen dabei, komplexe Diskriminierungsmechanismen und Intersektionalität verständlich zu machen und persönliche Erfahrungen einfließen zu lassen.

Eine 19-Jährige Teilnehmerin aus Leverkusen fasst ihre Eindrücke zusammen: „Ich war erstaunt, wie viele von uns ähnliche Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben. Es hat mir gezeigt, dass wir alle ähnliche Kämpfe durchleben, auch wenn wir selten darüber reden.“ Eine weitere Teilnehmerin fügt hinzu: „Ich nehme mit, dass wir alle Verantwortung tragen, etwas zu verändern. Ich möchte in meiner Gemeinde und in meinem Freundeskreis aktiv über das sprechen, was ich hier gelernt habe.“

Nachhaltige Wirkung und Multiplikation
Der Erfolg des Projekts zeigt sich nicht nur in der Resonanz der Teilnehmenden, sondern auch in den bleibenden Impulsen, die Sawāʾ in den Gemeinden hinterlässt. Die ausgebildeten ehrenamtlichen Gruppenleitungen ermöglichten intensive Reflexionsgespräche in den Moscheegemeinden. Einige Teilnehmende initiierten bereits erste Schritte, um das Gelernte in ihrer Gemeinde anzuwenden.

Das Projekt, das von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert wurde, zeigt exemplarisch, wie niedrigschwellige Angebote in spezifischen Gemeinschaften gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können. Auch wenn Sawāʾ als solches abgeschlossen ist, wird 180 Grad Wende weiterhin ähnliche Bildungsangebote schaffen, um junge Menschen für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft zu stärken. Mit Projekten wie Sawāʾ wird klar: Der Weg zu einer gerechten Gesellschaft beginnt mit mutigen, gut informierten jungen Menschen, die sich für Veränderung starkmachen.