Heute stellen wir Euch das Projekt RefugeeLine unseres Trägervereins Jugendbildungs- und Sozialwerk Goethe e.V. vor. Projektleiterin Najat Bouidra erzählt uns im Interview, worauf es in der Arbeit mit Jugendlichen, die aus Krisenländern nach Deutschland geflohen sind, ankommt und warum gemeinsames Kochen und Kuchen backen dabei nicht zu kurz kommen sollten.

 

Was ist RefugeeLine?

Das Projekt RefugeeLine richtet sich speziell an Menschen mit Fluchterfahrung. Das heißt wir betreuen geflüchtete Menschen, erledigen Papierkram, machen Übersetzungen, begleiten Arztbesuche, falls jemand medizinische Betreuung benötigt und vieles mehr. Hinzu kommen generelle Beratungen für geflüchtete Jugendliche, die hier in Deutschland sind und eine Orientierung brauchen. Wir können solche jungen Menschen motivieren und erste Türen öffnen, damit sie eine gute Zukunft hier in Deutschland haben. Nachhilfeunterricht gehört genauso dazu, ebenso eine Form von Seelsorge.

 

Unterscheidet sich die Arbeit mit jungen Geflüchteten von der mit in Deutschland geborenen Kindern und Jugendlichen?

Ja natürlich. Diese Kinder haben eine ganz andere Ausgangslage, haben teilweise traumatisierende Erfahrungen gemacht und schwere Verluste erlebt. Manche sind einfach deprimiert und wissen nicht wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Am Anfang als die Meisten noch in Sporthallen gewohnt haben, war das Hauptproblem eine Wohnung zu finden und einen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Mittlerweile stellen sich ganz andere Fragen. Und zwar welche Perspektiven man in der deutschen Gesellschaft hat. Da geht es um die Vermittlung in Sprachkurse, in eine Ausbildung oder die Anerkennung von Abschlüssen. Dabei sind gerade Kinder und Jugendliche auf Unterstützung und Motivation angewiesen, aber auch emotionale Stützung ist gefragt. Oftmals schaffen es die Eltern nicht all dies aufzubringen, weil sie selbst mit der fremden Kultur, den neuen Gesetzen und der Sprache überfordert sind. Sogar das Wetter und Klima sind fremd. Einfach alles. Sie können ihren Kindern nicht in dem Maße helfen, wie sie es gerne möchten. Wenn sie dann zu uns kommen, besprechen wir Schritt für Schritt, was wir tun können bis die Kinder und Jugendlichen wieder eine Perspektive haben.

 

„Unser Job ist es Türen zu öffnen – nach Innen und nach Außen.“

 

Wie sieht eure Hilfestellung konkret aus?

Manche Kinder haben ihr Selbstbewusstsein verloren, weil sie in der Schule mit der Sprache nicht klarkommen. Sie vergleichen sich mit Kindern, die in Deutschland geboren sind und merken, dass sie in der Schule besser sind und einfacher mitkommen. Das ist für sie natürlich frustrierend. Viele denken dann, dass eine schöne Zukunft aussichtslos ist und verlernen zu träumen. Teilweise geben sie sich mit unbefriedigenden Optionen zufrieden. Nach dem Motto „Das reicht mir schon!“ Unser Job ist es Türen zu öffnen – nach Innen und nach Außen.

 

„Die Kids brauchen das Gefühl von zu Hause und familiärer Atmosphäre. Eine Atmosphäre in der sie sich wohl und sicher fühlen können.“

Konkrete schulische Hilfestellungen wie Nachhilfe in den Hauptfächern Englisch, Deutsch und Mathe, aber auch Berufsorientierung sowie Bewerbungstraining gehen bei uns Hand in Hand mit moralischer Unterstützung. Die Kids brauchen das Gefühl von zu Hause und familiärer Atmosphäre. Eine Atmosphäre in der sie sich wohl und sicher fühlen können. Deswegen versuchen wir es ihnen so schön zu machen wie möglich. Backen Kuchen oder kochen zusammen. Und es funktioniert. Mit unserer Unterstützung, sind jetzt viele dieser Kinder motivierter und wissen, was sie zu tun haben, um in der deutschen Gesellschaft anzukommen.

 

Dein Abschlusswort!

 

„Zukunft ist Zukunft. Egal welche Vergangenheit man hat. Wenn man einen Willen und ein Ziel hat, dann schafft man das!“

Das sage ich meinen Kindern und Jugendlichen im Kurszentrum immer wieder. Bei geflüchteten Jugendlichen ist es nochmal besonders wichtig zu motivieren. Sie fühlen sich oftmals fremd und abgehängt in der Schule. Haben das Gefühl, dass sie es in Deutschland nicht schaffen können, weil sie nicht hier geboren sind und die Sprache nicht beherrschen. Mein erstes Ziel ist deswegen immer diese innere Verkapselung aufzulösen und dafür zu sorgen, dass sich diese Kinder erstmal einfach nur wohl und sicher bei uns fühlen. Diese Kinder sind genauso wichtig für diese Gesellschaft wie alle anderen auch. Und vielleicht können sie sogar vieles schaffen, was in Deutschland geborene Kinder nicht schaffen können. Weil man Dinge nicht durch seine Nationalität und Herkunft schafft, sondern allein durch seinen Willen und den Glauben an sich selbst. Heute habe ich von zwei meiner Schüler erfahren, dass sie sich um zwei ganze Noten im Englisch-Unterricht verbessert haben. Das macht mich total glücklich und es tut gut so ein Feedback zurückbekommen. Diese Freude, die mir die Kinder schenken, wenn sie sich in der Schule verbessern und gute Noten schreiben. Das ist ein Geschenk für mich.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

Najat Bouidra

Najat Bouidra

Projektleiterin

Najat ist Leiterin des Projektes RefugeeLine sowie eines Frauen-Gesprächskreises. Zudem koordiniert die passionierte Lehrerin die Nachhilfe für Jugendliche und unterrichtet Englisch und Arabisch im Kurszentrum.
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